Die so genannte AH

Im Jahr 1949 gründeten Männer um Ernst Wurfer und Kurt Seebo die Handballabteilung in Scharnhausen. Handball, das hieß bis in die 1970-er Jahre hinein Großfeld-Handball, also ein Sport, der wie der Fußball auf dem Sportplatz gespielt wurde, anfangs sogar auch im Winter, später wurde eine Winterpause eingeführt.

Nach anfänglichen Startschwierigkeiten machte sich der TSV Scharnhausen im Bezirk einen Namen weil die jungen Spieler der Jahrgänge 1935 bis 1939 in die erste Mannschaft nachgerückt waren und der Abteilung Erfolge brachten. Von den geburtenschwachen 1940-er Jahrgängen konnten nur wenige Spieler in die Mannschaft integriert werden, was sich gewissermaßen in der Altersstruktur dieser so genannten AH abbildet.

Als im Laufe der 1970-er Jahre der Feldhandball seinen Niedergang erlebte, beendeten eben jene Spieler, die den Verein in die Höhe gebracht hatten, ihre Laufbahn und danach kam nichts. Im Jahr 1980 hatten Herbert Brinzing und Edmund Kehle die Idee, Abhilfe zu schaffen und eine Gemeinschaft ehrmaliger Aktiver zu gründen um körperliche Fitness zu erhalten und die Kameradschaft zu pflegen, wie sie auch in anderen Vereinen vorhanden war.

Im September 1980 war es soweit und es trafen sich im Nebenzimmer der TSV-Turnhalle neunzehn ehemalige Aktive die bereit waren mitzumachen. Wie es damals allgemein üblich war, bezeichneten wir uns als AH (alte Herren). Aus heutiger Sicht, grob 40 Jahre später, lächerlich, aber es war halt so.

Der Bedarf an Kapazität in der TSV-Turnhalle war zu dieser Zeit überschaubar, so dass wir dienstagabends den Sport machen konnten, der altersgemäß zu uns passte.

Die organisatorische Seite wurde von Edmund Kehle übernommen, die Übungsleiterseite von Herbert Brinzing, der diese Aufgabe nach kurzer Zeit an Rudi Staiger abgab. Rudi hatte schon alle möglichen Mannschaften der Abteilung trainiert und wusste, was er uns zumuten konnte.

Auch wenn wir damals noch gelegentlich unseren Handballsport ausübten, wurde das aus Gründen der Verletzungsgefahr immer weniger und wir begeisterten uns nach und nach für das Volleyballspiel welches wir bis zum Ende der vereinseigenen Turnhalle im Jahr 2014 pflegten. Auch schon damals wurde ein Drittel der Zeit für Gymnastik eingeplant und heute, wo es tatsächlich umso mehr notwendig ist und wir uns ausschließlich im Gymnastikraum der Körschtalklause aufhalten können, zu einhundert Prozent.

Neben der sportlichen Tätigkeit zum Erhalt der Fitness nahmen kameradschaftliche Dinge Raum ein. Dies begann mit Wanderungen in der näheren Umgebung, steigerte sich zu Tagesausflügen und gipfelte in Mehrtagesausflügen auf die Schwäbische Alb, ins Allgäu oder nach Österreich. Bei diesen Gelegenheiten wurde am Abend kräftig gesungen und auch Karten gespielt. Die letzten großen Unternehmungen waren eine achttägige Reise nach Masuren (Ostpreußen) und eine fünftägige Reise ins Münsterland. Bei all diesen Reisen und Ausflügen waren auch die Ehefrauen dabei was unsere Gemeinschaft noch mehr zusammenbrachte und sich dahingehend auswirkte, dass fast immer alle “Mann“ an Bord waren, niemand fehlte.

Einzig die Wochenend-Skiausfahrten blieben Männersache was auch gut so war, obwohl dabei niemand über die Stränge schlug.

Kameradschaft heißt auch, dass man sich gegenseitig hilft. So kam es, dass einer einen oder mehrere Bäume zu entfernen hatte oder irgendwelche Garten- oder sonstige Arbeiten, die er nicht alleine bewältigen konnte. Da waren die Kameraden zur Stelle und gemeinsam war die Arbeit in relativ kurzer Zeit erledigt. Anschließend gab es auch immer ein gutes Vesper. In früheren Zeiten machten wir auch noch den Rücken krumm um im Herbst Zwetschgen oder Birnen aufzulesen und später die Maische brennen zu lassen. Anschließend wurde der Schnaps verteilt, was im einen oder anderen Fall seltsame Anekdoten über den Verbleib der Restmenge zeitigte.

Seitdem wir nur noch in der Körschtalklause unsere Gymnastik machen können, die weiterhin unser Rudi in bewährter Manier (immer noch) vorgibt, hat sich für die Sommerzeit das Radfahren eingebürgert. Alle, die gesundheitlich noch in der Lage sind, treffen sich am Dienstag mit ihrem Drahtesel und wir fahren, je nach Wetterlage, sternförmig über die Filder oder ins Neckartal. Das können dreißig oder mehr Kilometer werden und deshalb ist natürlich eine Zwischeneinkehr angesagt, wo es schon lustige Erlebnisse gab.

Über viele Jahre hat die AH auch die vereinsinternen Frühjahrs- und Winterunterhaltungen organisiert und gestaltet, ein Höhepunkt war das Treffen der Senioren des Turngaues Neckar-Teck das wir im November 2009 in Eigenregie und überwiegend mit Akteuren des TSV in der Körschtalhalle durchführten. Wie beim Feiern, so helfen auch beim Arbeiten sämtliche Kameraden mit und es ist auch noch Spaß dabei.

Allgemein kann man sagen, dass aus den Kameraden im Laufe der Jahre Freunde geworden sind, die Ehefrauen mit eingeschlossen.

Aus den bei der Gründung Anwesenden sind bis heute immerhin fünfzehn Mann geblieben, es sind dies: Hellmut Dreher, Gerhard Enderle, Dieter Fingerle, Cordi Gehrung, Dieter Goll, Hermann Graf, Rolf Hertler, Willi Kaiser, Edmund Kehle, Henning Kehle, Kurt Maihöfer, Ralph Munz, Kurt Ostwald, Bernhard Pfeiffer, Rainer Seibold und Rudi Staiger

Und wir hoffen, dass wir noch viele Jahre in Gesundheit zusammen sein können.